23. – 28.2.2026: Was ist im Wilden Wald passiert?

Montag: Nachmittags wurde das Waldstück eingezäunt, für das eine Rodungsgenehmigung vorlag. Der Zaun wurde von BM-Bau selber aufgestellt, der Firma, deren Grundstück dort erweitert werden sollte.

Dienstag: Um 6 Uhr wurde ein Bagger mit Aufsatz zum Bäume fällen angeliefert. Zu der Zeit befanden sich bereits ca. 20 Menschen im bedrohten Waldstück und weitere Menschen auf Straße und Gehweg davor. Damit hatten sie wohl nicht gerechnet und auch die Polizei vorher nicht informiert. Die war erst um 7 Uhr da, zu unserer täglichen Mahnwache. BM dachte wohl, sie könnten alleine still und heimlich früh morgens Tatsachen schaffen. Stattdessen fand eine lautstarke Versammlung statt und das Waldstück war besetz.

Gegen 9 Uhr umstellten Cops das besetzte Gebiet, schickten Menschen am Boden und Journalist*innen raus und machten Durchsagen, dass alle gehen sollen.

Um 10 Uhr erreichte uns dann die Nachricht, dass vorerst nicht gerodet werden durfte, bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts über den Eilantrag des NABU. Der Rodungsbagger war aber weiter einsatzbereit, also blieben die Menschen im und am Wald. Vertrauen ist gut, Besetzung ist besser.

Die Cops machten weitere Durchsagen, dass BM-Bau die Menschen wegen Hausfriedensbruch angezeigt hätte und sie deshalb weggehen müssten oder geräumt würden. Das betroffene Gebiet gehört noch der Stadt, der Grundstückstausch soll erst nach Rodung und Aufschüttung passieren. Wir wissen nicht, ob BM schon das Hausrecht hat. Wenn nicht, war der Strafantrag ungültig.

Ab 11.11 Uhr (ja echt!) begannen die Cops, Menschen vom Boden und mit Leitern und Flaschenzügen aus den Bäumen und von den Bauzaunsstrukturen zu räumen. Um ihre Leitern aufzustellen, haben sie Bäume gefällt – nachdem eine Rodung vom Gericht verboten worden war! Einige junge Ahornbäume und etliche Sträucher fielen der Zerstörungswut der Cops zum Opfer.

Danach wurden die meisten Menschen mit Schmerzgriffen abgeführt, auch, wenn sie nur am Boden standen und Essen hochgeben wollten. Mehrere Personen mussten anschließend medizinisch versorgt werden. Alle Menschen wurden bis zum Nachmittag freigelassen, aber es drohen Ordnungsgelder und Strafanzeigen.

Anschließend zerstörten die Cops alle Plattformen, Schaukeln usw., auch außerhalb des betroffenen Gebietes, und dabei auch noch mehr Unterholz und junge Bäume. Am Abend wurde der Bauzaun wieder aufgestellt, ausgeleuchtet und von der Polizei bewacht.

Mittwoch: Der Rodungsstop galt zunächst nur vorläufig, bis das Gericht final über den Eilantrag entscheidet. Das konnte jederzeit passieren. Daher bewachten Menschen von Sonnenauf- bis -untergang den Wald und den Bagger.

Donnerstag: Um 7 Uhr sagte uns ein Polizist, dass es um 10 Uhr eine Gerichtsentscheidung gäbe. Um 9.30 Uhr kamen vier Polizeipferde vor dem Wald an. Um 9.40 Uhr erhielten wir den Anruf, dass das Verwaltungsgericht dem Eilantrag des NABU stattgegeben und die Durchführung von Bau- und Rodungsarbeiten untersagt hat, die Genehmigung sei voraussichtlich rechtswidrig. Juhu!

Und um 9.50 Uhr fuhren ca. 10 Wannen der Bereitschaftspolizei vor. Was hatten die vor? Wir mussten die Einsatzleitung selber vor Ort über die Gerichtsentscheidung informieren und ihnen den Beschluss zeigen. Den Rest des Tages war Party angesagt und der Zaun wurde von BM abgebaut.

Freitag: Gegen 11 Uhr wurde der Bagger abgeholt und später der Zaun vollständig entfernt.

An allen Tagen fanden weitere Rodungsarbeiten auf der anderen Straßen- und Kanalseite statt. Am Freitag hat Firma AborArtist dann noch die Feinarbeiten an den Bäumen gemacht, die Anfang Februar am Waldweg gekappt worden waren.

Samstag: Aus Gewohnheit und Vorsicht ließen wir die Rodungssaison an der Mahnwache vor Ort ausklingen und genossen den Frühling.

An allen Tagen haben uns viel Dank, Erfolgs- und Glückwünsche von den Menschen aus dem Viertel und auch online erreicht. Wir sind nicht allein!

ACHTUNG: es folgen Bilder von Kettensägen, Harvester und gefällten Bäumen.

Unser Statement zur Räumung:

Wir sind wahnsinnig erleichtert und freuen uns riesig, dass der Wilde Wald noch ganz ist!

Wir bedanken uns von Herzen bei allen Menschen, die hierfür einen Beitrag geleistet haben – besonders bei allen, die vor dem Wald über Stunden ausgeharrt, gesungen und für uns geschrien haben. Das hat uns den Mut gegeben, durchzuhalten. Ihr seid alle großartig!

Am Dienstag haben die Menschen im Wald die Rodung verhindert, bis das Gericht entschieden hat. Ohne diese Verzögerung wären die betroffenen 800 m² des Wilden Waldes jetzt weg. BM-Bau – und im Hintergrund die Stadt Hamburg – hätten am Dienstagmorgen die geplante Zerstörung durchgezogen und den Widerspruch des NABU einfach ignoriert. Es wurde auch am Donnerstag klar, dass ein Großeinsatz der Polizei vorbereitet war, ohne die Entscheidung des Gerichts abzuwarten.

Zur Begründung des Gerichts und wie es rechtlich weiter geht, melden wir uns später. Erstmal ist die Rodungssaison vorbei und jede Rodung bis Oktober verboten.

Wir verurteilen die Räumung der Menschen aus dem Wald grundsätzlich und den Einsatz von Schmerzgriffen besonders. Diese Menschen haben mit ihrer Anwesenheit und ihren Körpern den Rechtsstaat durchgesetzt.

Die Polizei hingegen hat Bäume gefällt, nachdem das Gericht die Rodung untersagt hat. Und sie haben die Menschen erpresst, dass sie runter kommen sollen, sonst müssten sie Bäume fällen. Sie hätten einfach abrücken können, dann wäre kein Baum gefallen und keinem Menschen wären Schmerzen zugefügt worden.

Den meisten verletzten Menschen geht es bereits wieder gut. Dem Menschen mit der Handverletzung wünschen wir gute Besserung und keine bleibenden Schäden!

Wie geht es weiter?

Diese Rodungssaison ist vorüber – aber unser Kampf geht weiter!

Diesen Winter waren nur 800 m² des Waldes akut bedroht, für das sog. Spreehafenviertel soll der ganze Wald platt gemacht werden. Der Bebauungsplan dafür ist noch nicht beschlossen, die Planungen können noch gestoppt werden!

Im Ernstfall blockieren wir jeden weiteren Rodungsversuch.

Wilder Wald bleibt!

Pressespiegel

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