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Es ist Frühling!

Das Waldstück, dass letzten Winter gerodet werden sollte, erholt sich langsam. Auch die jungen Bäume, die die Cops nach der Gerichtsentscheidung  abgesägt haben, schlagen teilweise wieder aus 🌱

Aber die Gerichtsentscheidung ist nicht endgültig und gilt auch nicht für den ganzen Wald. Das sog. Spreehafenviertel bedroht weiterhin den ganzen Wilden Wald – ist aber noch nicht final beschlossen. Trotzdem kann es sein, dass die Stadt im kommenden Herbst neue Vorwände findet, um Teile des Waldes anzugreifen.

Uns bleiben fünf Monate, um uns darauf vorzubereiten und jeden Rodungsversuch zu verhindern!

Die aktuelle Situation haben wir in unserer Rede bei der  schwarz roten 1. Mai Demo zusammengefasst.

Rede zum 1.Mai 2026

Demo schwarz roter 1. Mai 2026 in Hamburg

Moin, wir kämpfen für den Wilden Wald in Wilhelmsburg. Ja genau, in Wilhelmsburg gibt es einen Wald. Er ist seit über 60 Jahren ganz von alleine auf einer Brachfläche gewachsen. Ein autonomer Wald, der sich nix sagen lässt und keinen Förster hat und jetzt einfach da ist, mit allen seinen Bäumen und Sträuchern, Tieren und Pilzen. 

Die Stadt Hamburg will diesen Wilden Wald vernichten – um neue Häuser zu bauen. Das Bezirksamt Mitte und die IBA planen dort das sog. Spreehafenviertel. Neben neuen Sportplätzen und 35.000 m² Gewerbefläche sollen auch 1.100 Wohnungen gebaut werden. Aber in Hamburg gibt es genug Leerstand, leere Büros und brachliegende Hafenflächen, wo Wohnungen gebaut werden können. Dafür darf kein Wald zerstört werden. Die Sommer werden immer heißer, Starkregen nimmt zu. In der Klimakrise und dem Artensterben dürfen keine Wälder mehr gerodet werden. Wir fordern bezahlbaren Wohnraum und eine grüne Stadt für alle! 

Aber der Bebauungsplan ist noch nicht final beschlossen. Noch kann das sog. Spreehafenviertel bürokratisch oder juristische verhindert und der Wald gerettet werden.

Am 24. Februar sollte bereits ein Teil des Wilden Waldes zerstört werden, 5 Tage vor Ende der Rodungssaison – ab dem 1. März dürfen keine Bäume mehr gefällt werden. Die Stadt Hamburg hat ein Stück des Waldes an eine Baufirma verdealt, die ihr Grundstück vergrößern will. Dafür bekommt die Stadt eine andere, kleinere Ecke von deren jetzigem Grundstück. Es wird also getauscht – damit dort die neuen Tennisplätze besser hin passen.

Aber die Rodung wurde verhindert! Viele Menschen waren früh morgens im Wald und davor, haben den Bagger und die Kettensägen gestoppt und so lange aufgehalten, bis das Gericht die Rodung untersagt hat. Wir waren erfolgreich, weil wir schnell vor Ort waren und gut vorbereitet – und weil vor Gericht ein Eilantrag gestellt wurde. Ohne die Gerichtsentscheidung wären die Menschen geräumt und danach die Bäume gefällt worden. Ohne die Menschen in den Bäumen wäre der Wald früh morgens gerodet worden, bevor das Gericht das überhaupt mitbekommen hätte.

Leider ist die Gerichtsentscheidung nicht endgültig und betrifft nicht den ganzen Wald. Grundsätzlich dürfen ab dem 1. Oktober wieder Bäume gefällt werden. Uns bleiben 5 Monate, um uns darauf vorzubereiten, alle Rodungsversuche zu verhindern – sei es juristisch oder in den Bäumen. Letzten Winter waren wir erfolgreich. Aber es ging um einen kleinen Teil und es war sehr anstrengend. Es kann sein, dass sie nächsten Winter versuchen, den Wald Stückchen für Stückchen anzugreifen, mit irgendwelchen Vorwänden, auch wenn das sog. Spreehafenviertel noch gar nicht beschlossen ist.

Uns bleiben 5 Monate, um Baumhäuser zu bauen und Support-Strukturen zu organisieren, um mehr Menschen zu mobilisieren und klettern zu lernen – und die Stadt zu verklagen. Auf Staat und Gerichte ist kein Verlass – aber wir müssen jedes Mittel nutzen. Schließt euch an, kämpft gemeinsam für den Wilden Wald! Gegen jede Salamtaktik – stoppt das Spreehafenviertel! Wilder Wald bleibt!

Der Wilde Wald hat die letzte Rodungssaison überstanden. Aber wie jedes Jahr sind überall viele Bäume gefällt, Besetzungen geräumt und Lebensräume zerstört worden. Wir schicken viel Liebe und Kraft an alle Menschen, die sich im letzten Winter für Wälder und Bäume und ein besseres Leben für alle eingesetzt haben. Ihr seid nicht allein! Die Wälder denen, die drin wohnen!

Für mehr Anarchismus!

Offenes Treffen, am Montag 20. April 2026 um 19 Uhr im M1 (Mokrystraße 1, Hamburg-Wilhelmsburg, DE) Mehr Infos auf wiwableibt.noblogs.org

Offenes Treffen am 20. April

Einladung zum offenen Treffen 🌱
Montag 20.04 um 19 Uhr im M1 (Mokrystr. 1, Hamburg-Wilhelmsburg, DE)

Der Frühling ist nun vollends da und wir haben endlich Zeit etwas durchzuatmen.
Mit neuer Energie starten wir rein und freuen uns wenn du mit machst.

Komm vorbei, wenn du Lust hast kannst du auch direkt bei der Planung für 48h Wilhelmsburg mit.

Wie immer bereiten wir uns auch schon auf die nächste Rodungssaison vor.

Wilder Wald bleibt ganz! 🖤

Mahnwache am 12.04.

So langsam zeigt sich der Frühling und wir machen wieder Mahnwache im Wald! Kommt am nächsten Sonntag den 12.04. um 14 Uhr rum auf einen Tee, quatscht mit uns über den aktuellen Stand oder geht mit beim Vogelspaziergang der Waldretter*innen.

Es wird ein veganes Picknick geben, fall ihr mitessen möchtet bringt gerne selbst Geschirr und Besteck mit :)

Antirep-Küfa

Donnerstag 26.03.2026 im Infoladen Wilhelmsburg ab 19:30 Uhr.

Wir kochen leckeres veganes Essen für euch alle – und ihr spendet für neues Material und Anti-Repressionskosten!

Barriereinfos

Müllsammeln im Wilden Wald

Sonntag 29.03.2026 ab 14 Uhr

Der (erstmal) gerettet WiWa soll einen wunderbaren Frühling haben! Deshalb befreien wir ihn von Müll. Dafür brauchen wir eure Hilfe – schnappt euch Handschuhe und feste Schuhe und los geht’s! Säcke und Zangen stellen wir.

Treffpunkt: Georg-Wilhelm-Straße/ Provinziallbrücke über den Ernst-August-Kanal.

Wildes Kletterpicknick

Sonntag 12.04.2026

Wann: ab 11 Uhr klettern und ab 14 Uhr picknicken

Wo: Wilder Wald, Baumhaus

Wir zeigen euch die Kletterbasics und das Baumhaus. Anschließend quatschen wir bei veganem Essen darüber, was Waldbesetzungen mit Anarchismus zu tun haben.

Beim Klettern können max. neun Menschen mitmachen, meldet euch bei wilderwald@riseup.net an. Kletterkram haben wir. Zum Picknick könnt ihr alle kommen, bring bitte Teller und Besteck mit.

Das Klettern fällt bei schlechtem Wetter leider aus. Wegbeschreibung und weiteren Infos findest du hier.

23. – 28.2.2026: Was ist im Wilden Wald passiert?

Montag: Nachmittags wurde das Waldstück eingezäunt, für das eine Rodungsgenehmigung vorlag. Der Zaun wurde von BM-Bau selber aufgestellt, der Firma, deren Grundstück dort erweitert werden sollte.

Dienstag: Um 6 Uhr wurde ein Bagger mit Aufsatz zum Bäume fällen angeliefert. Zu der Zeit befanden sich bereits ca. 20 Menschen im bedrohten Waldstück und weitere Menschen auf Straße und Gehweg davor. Damit hatten sie wohl nicht gerechnet und auch die Polizei vorher nicht informiert. Die war erst um 7 Uhr da, zu unserer täglichen Mahnwache. BM dachte wohl, sie könnten alleine still und heimlich früh morgens Tatsachen schaffen. Stattdessen fand eine lautstarke Versammlung statt und das Waldstück war besetz.

Gegen 9 Uhr umstellten Cops das besetzte Gebiet, schickten Menschen am Boden und Journalist*innen raus und machten Durchsagen, dass alle gehen sollen.

Um 10 Uhr erreichte uns dann die Nachricht, dass vorerst nicht gerodet werden durfte, bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts über den Eilantrag des NABU. Der Rodungsbagger war aber weiter einsatzbereit, also blieben die Menschen im und am Wald. Vertrauen ist gut, Besetzung ist besser.

Die Cops machten weitere Durchsagen, dass BM-Bau die Menschen wegen Hausfriedensbruch angezeigt hätte und sie deshalb weggehen müssten oder geräumt würden. Das betroffene Gebiet gehört noch der Stadt, der Grundstückstausch soll erst nach Rodung und Aufschüttung passieren. Wir wissen nicht, ob BM schon das Hausrecht hat. Wenn nicht, war der Strafantrag ungültig.

Ab 11.11 Uhr (ja echt!) begannen die Cops, Menschen vom Boden und mit Leitern und Flaschenzügen aus den Bäumen und von den Bauzaunsstrukturen zu räumen. Um ihre Leitern aufzustellen, haben sie Bäume gefällt – nachdem eine Rodung vom Gericht verboten worden war! Einige junge Ahornbäume und etliche Sträucher fielen der Zerstörungswut der Cops zum Opfer.

Danach wurden die meisten Menschen mit Schmerzgriffen abgeführt, auch, wenn sie nur am Boden standen und Essen hochgeben wollten. Mehrere Personen mussten anschließend medizinisch versorgt werden. Alle Menschen wurden bis zum Nachmittag freigelassen, aber es drohen Ordnungsgelder und Strafanzeigen.

Anschließend zerstörten die Cops alle Plattformen, Schaukeln usw., auch außerhalb des betroffenen Gebietes, und dabei auch noch mehr Unterholz und junge Bäume. Am Abend wurde der Bauzaun wieder aufgestellt, ausgeleuchtet und von der Polizei bewacht.

Mittwoch: Der Rodungsstop galt zunächst nur vorläufig, bis das Gericht final über den Eilantrag entscheidet. Das konnte jederzeit passieren. Daher bewachten Menschen von Sonnenauf- bis -untergang den Wald und den Bagger.

Donnerstag: Um 7 Uhr sagte uns ein Polizist, dass es um 10 Uhr eine Gerichtsentscheidung gäbe. Um 9.30 Uhr kamen vier Polizeipferde vor dem Wald an. Um 9.40 Uhr erhielten wir den Anruf, dass das Verwaltungsgericht dem Eilantrag des NABU stattgegeben und die Durchführung von Bau- und Rodungsarbeiten untersagt hat, die Genehmigung sei voraussichtlich rechtswidrig. Juhu!

Und um 9.50 Uhr fuhren ca. 10 Wannen der Bereitschaftspolizei vor. Was hatten die vor? Wir mussten die Einsatzleitung selber vor Ort über die Gerichtsentscheidung informieren und ihnen den Beschluss zeigen. Den Rest des Tages war Party angesagt und der Zaun wurde von BM abgebaut.

Freitag: Gegen 11 Uhr wurde der Bagger abgeholt und später der Zaun vollständig entfernt.

An allen Tagen fanden weitere Rodungsarbeiten auf der anderen Straßen- und Kanalseite statt. Am Freitag hat Firma AborArtist dann noch die Feinarbeiten an den Bäumen gemacht, die Anfang Februar am Waldweg gekappt worden waren.

Samstag: Aus Gewohnheit und Vorsicht ließen wir die Rodungssaison an der Mahnwache vor Ort ausklingen und genossen den Frühling.

An allen Tagen haben uns viel Dank, Erfolgs- und Glückwünsche von den Menschen aus dem Viertel und auch online erreicht. Wir sind nicht allein!

ACHTUNG: es folgen Bilder von Kettensägen, Harvester und gefällten Bäumen.

Unser Statement zur Räumung:

Wir sind wahnsinnig erleichtert und freuen uns riesig, dass der Wilde Wald noch ganz ist!

Wir bedanken uns von Herzen bei allen Menschen, die hierfür einen Beitrag geleistet haben – besonders bei allen, die vor dem Wald über Stunden ausgeharrt, gesungen und für uns geschrien haben. Das hat uns den Mut gegeben, durchzuhalten. Ihr seid alle großartig!

Am Dienstag haben die Menschen im Wald die Rodung verhindert, bis das Gericht entschieden hat. Ohne diese Verzögerung wären die betroffenen 800 m² des Wilden Waldes jetzt weg. BM-Bau – und im Hintergrund die Stadt Hamburg – hätten am Dienstagmorgen die geplante Zerstörung durchgezogen und den Widerspruch des NABU einfach ignoriert. Es wurde auch am Donnerstag klar, dass ein Großeinsatz der Polizei vorbereitet war, ohne die Entscheidung des Gerichts abzuwarten.

Zur Begründung des Gerichts und wie es rechtlich weiter geht, melden wir uns später. Erstmal ist die Rodungssaison vorbei und jede Rodung bis Oktober verboten.

Wir verurteilen die Räumung der Menschen aus dem Wald grundsätzlich und den Einsatz von Schmerzgriffen besonders. Diese Menschen haben mit ihrer Anwesenheit und ihren Körpern den Rechtsstaat durchgesetzt.

Die Polizei hingegen hat Bäume gefällt, nachdem das Gericht die Rodung untersagt hat. Und sie haben die Menschen erpresst, dass sie runter kommen sollen, sonst müssten sie Bäume fällen. Sie hätten einfach abrücken können, dann wäre kein Baum gefallen und keinem Menschen wären Schmerzen zugefügt worden.

Den meisten verletzten Menschen geht es bereits wieder gut. Dem Menschen mit der Handverletzung wünschen wir gute Besserung und keine bleibenden Schäden!

Wie geht es weiter?

Diese Rodungssaison ist vorüber – aber unser Kampf geht weiter!

Diesen Winter waren nur 800 m² des Waldes akut bedroht, für das sog. Spreehafenviertel soll der ganze Wald platt gemacht werden. Der Bebauungsplan dafür ist noch nicht beschlossen, die Planungen können noch gestoppt werden!

Im Ernstfall blockieren wir jeden weiteren Rodungsversuch.

Wilder Wald bleibt!

Pressespiegel

Weitere Bilder z.B. auf Instagram @timo_knorr 💚