Rede zum 1.Mai 2026

Demo schwarz roter 1. Mai 2026 in Hamburg

Moin, wir kämpfen für den Wilden Wald in Wilhelmsburg. Ja genau, in Wilhelmsburg gibt es einen Wald. Er ist seit über 60 Jahren ganz von alleine auf einer Brachfläche gewachsen. Ein autonomer Wald, der sich nix sagen lässt und keinen Förster hat und jetzt einfach da ist, mit allen seinen Bäumen und Sträuchern, Tieren und Pilzen. 

Die Stadt Hamburg will diesen Wilden Wald vernichten – um neue Häuser zu bauen. Das Bezirksamt Mitte und die IBA planen dort das sog. Spreehafenviertel. Neben neuen Sportplätzen und 35.000 m² Gewerbefläche sollen auch 1.100 Wohnungen gebaut werden. Aber in Hamburg gibt es genug Leerstand, leere Büros und brachliegende Hafenflächen, wo Wohnungen gebaut werden können. Dafür darf kein Wald zerstört werden. Die Sommer werden immer heißer, Starkregen nimmt zu. In der Klimakrise und dem Artensterben dürfen keine Wälder mehr gerodet werden. Wir fordern bezahlbaren Wohnraum und eine grüne Stadt für alle! 

Aber der Bebauungsplan ist noch nicht final beschlossen. Noch kann das sog. Spreehafenviertel bürokratisch oder juristische verhindert und der Wald gerettet werden.

Am 24. Februar sollte bereits ein Teil des Wilden Waldes zerstört werden, 5 Tage vor Ende der Rodungssaison – ab dem 1. März dürfen keine Bäume mehr gefällt werden. Die Stadt Hamburg hat ein Stück des Waldes an eine Baufirma verdealt, die ihr Grundstück vergrößern will. Dafür bekommt die Stadt eine andere, kleinere Ecke von deren jetzigem Grundstück. Es wird also getauscht – damit dort die neuen Tennisplätze besser hin passen.

Aber die Rodung wurde verhindert! Viele Menschen waren früh morgens im Wald und davor, haben den Bagger und die Kettensägen gestoppt und so lange aufgehalten, bis das Gericht die Rodung untersagt hat. Wir waren erfolgreich, weil wir schnell vor Ort waren und gut vorbereitet – und weil vor Gericht ein Eilantrag gestellt wurde. Ohne die Gerichtsentscheidung wären die Menschen geräumt und danach die Bäume gefällt worden. Ohne die Menschen in den Bäumen wäre der Wald früh morgens gerodet worden, bevor das Gericht das überhaupt mitbekommen hätte.

Leider ist die Gerichtsentscheidung nicht endgültig und betrifft nicht den ganzen Wald. Grundsätzlich dürfen ab dem 1. Oktober wieder Bäume gefällt werden. Uns bleiben 5 Monate, um uns darauf vorzubereiten, alle Rodungsversuche zu verhindern – sei es juristisch oder in den Bäumen. Letzten Winter waren wir erfolgreich. Aber es ging um einen kleinen Teil und es war sehr anstrengend. Es kann sein, dass sie nächsten Winter versuchen, den Wald Stückchen für Stückchen anzugreifen, mit irgendwelchen Vorwänden, auch wenn das sog. Spreehafenviertel noch gar nicht beschlossen ist.

Uns bleiben 5 Monate, um Baumhäuser zu bauen und Support-Strukturen zu organisieren, um mehr Menschen zu mobilisieren und klettern zu lernen – und die Stadt zu verklagen. Auf Staat und Gerichte ist kein Verlass – aber wir müssen jedes Mittel nutzen. Schließt euch an, kämpft gemeinsam für den Wilden Wald! Gegen jede Salamtaktik – stoppt das Spreehafenviertel! Wilder Wald bleibt!

Der Wilde Wald hat die letzte Rodungssaison überstanden. Aber wie jedes Jahr sind überall viele Bäume gefällt, Besetzungen geräumt und Lebensräume zerstört worden. Wir schicken viel Liebe und Kraft an alle Menschen, die sich im letzten Winter für Wälder und Bäume und ein besseres Leben für alle eingesetzt haben. Ihr seid nicht allein! Die Wälder denen, die drin wohnen!

Für mehr Anarchismus!